Als der Brief kam, – war alles normal.
Ich registrierte - doch ich begriff nicht.
Ein dummer Brief – eine Nachricht – ein passer.
Mit laufe des Wochenendes suchte ich Informationen - Unwiderruflichkeit.
Und ich bekam eine unglaubliche moralische Expansion. Ich bekam die Frage nach meinem Idealismus. Meiner Moral. Meinen Werten.
1 zu mehreren Millionen kann die Chance sein – einen passenden Knochenmarkspender zu finden. So gering – so winzig, das meine Hoffnung schon längst vergangen wäre. Doch mein Leben hat mir schon gezeigt – gibt es auch nur das kleinste Fünkchen, der eine in der Million – dann kann die Hoffnung ganz groß sein.
Das derzeit gebende Recht (auch gemäß EU-Richtlinie) besagt dass:
„Personen, deren Sexualverhalten ein gegenüber der Allgemeinbevölkerung deutlich erhöhtes Übertragungsrisiko für durch Blut übertragbare schwere Infektionskrankheiten, wie HBV, HCV oder HIV birgt: - heterosexuelle Personen mit sexuellem Risikoverhalten, z. B. Geschlechtsverkehr mit häufig wechselnden Partnern, - Männer, die Sexualverkehr mit Männern haben (MSM), - männliche und weibliche Prostituierte.“
-von der Spende ausgeschlossen sind.
Wie konnte ich dann jemals in diese Situation kommen?
Das war der Status bis zum 24.10.2011.
Und jetzt kommt heute. Der 08.11.2011.
40 mL weniger Blut fließt in meinen Adern. Dafür liegen sie jetzt auf dem Esszimmertisch.
Die Frau schaute mich schon komisch an – als ich plötzlich in der Tür stand.
Der Termin sei Mitte letzter Woche abgesagt wurden – dabei lag der Bestätigungsbrief vom 02.11.2011 erst Ende letzter Woche im Briefkasten. Naja – kann ja nicht schaden, sicherheitshalber machen wir die Blutabnahme trotzdem.
Mit dieser gigantischen Kanüle im Arm zockte sie mir regelrecht das Blut aus dem Arm: erst kam viel, dann nix – da hilft doch rumstochern.
Ich habe eben mit der DKMS telefoniert die mir nur auf der Mailbox gesprochen hatte.
Der Betroffene wurde -nach meiner wahrheitsgemäßen Aussage – gefragt ob er eine homosexuelle Spende annehmen möchte.
Er lehnte ab. Natürlich.
Ich vermute es lief so ab: Oberarzt in Oberbayern – ca. 90 Jahre alt – sagte zum Patienten „das kommt gar nicht in Frage – das Risiko ist viel zu hoch – sie werden die Spende ablehnen.“
-
Fantastisch. Jetzt kann ich reinem Gewissens sagen meine Ehrlichkeit ist die erste und oberste Passion. Sogar vor dem Leben. Ich fühle mich einfach gut.
Die Warscheinlichkeit einen passenden Knochenmark-Spender zu finden liegt bei ca. 1.20.000 also bei 0.00005% und weniger.
Ich hätte Lügen sollen. Dann fühlte ich mich jetzt besser.
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